Umgang mit Alkohol bei Multipler Sklerose
Empfehlungen und Verhaltensrichtlinien zum Alkoholkonsum im Einklang mit
der chronischen Erkrankung und der Medikamenteneinnahme
Eine Initiative der MS-Wir bleiben aktiv Gruppe
Wenn Ihnen jemand weismachen möchte, dass Alkohol absolut schädlich für die MS ist, sich in diesem Moment eine Zigarette anzündet und verkündet,
Rauchen “macht nicht so viel”, dürfen Sie offen über Ignoranz und Unwissenheit schmunzeln. Alles schon erlebt. Letztlich ist keines der beiden Genüsse
der Gesundheit zuträglich, jedoch wirkt sich Nikotin noch sehr viel schlechter und auch schneller auf den gesamten Organismus und v.a. auf das
Immunsystem und das Nervensystem aus. Warum und wie Sie mit Alkohol entspannt umgehen können, erkläre ich nun hier etwas genauer.
Während der Tabakkonsum nur auf die Psyche positiv lindernd und ausgleichend wirkt, hat Alkohol wiederum auch physische Vorzüge für
Autoimmunerkrankte, denn Alkohol schwächt die Aktivität des Immunsystems. Bei der Multiplen Sklerose wirkt er dadurch (gemäßigter Konsum immer
vorausgesetzt) auf das zu überschiessenden Reaktionen neigende Immunsystem herunterregulierend und führt zu einem stabilisierenden Eindruck. Viele
Betroffene fühlen sich weniger kränklich, kraftvoller, energischer, entspannter, weniger depressiv, schmerzärmer, beweglicher, weniger blockiert, weniger
ängstlich, geistig agiler u.s.w..
Alkohol ist dennoch kein Ersatz wertvoller medikamentöser Therapien und birgt bei findigen Menschen immer die Gefahr des missbräuchlichen Genusses!
Alkohol verschlechtert bei maßvollem Genuss das Krankheitsbild MS nicht. Er verbessert es aber auch nicht. Er vermag Symptome zu kaschieren.
Seine zumeist positiv empfundene Wirkung auf die Krankheit und die Psyche beschränkt sich auf den Zeitraum, in der der Alkohol im Blut ist.
Er hilft, wenn er drin ist und zerstört, wenn er raus geht! Das wirklich gefährliche ist der Alkoholentzug. Auf einen höheren und täglichen Konsum ist
deshalb nicht nur wegen der Suchtgefahr zu verzichten. Bewahren Sie sich das stil- und genussvolle Ambiente, das Ihnen die soziale Integrität erhält.
Menschen mit MS reagieren bekanntermaßen empfindlicher auf stoffliche Einflüsse. Ob es nun von “außen” zugeführte Substanzen, also Nahrungsmittel,
Medikamente u.s.w. sind, oder ob deren Präsenz aufgrund “innerer” Prozesse im Rahmen unseres Stoffwechsels z.Bsp. durch Abbau von Substanzen,
zellenenergetische Beanspruchungen, Anhäufungen von Stoffwechselzwischen- und endprodukten vorliegt.
Daher "vertragen" jetzt viele MS-Erkrankte weniger Alkohol als vor Ausbruch der Erkrankung. Der Körper ist durch die Krankheit selbst und zudem
durch die Chronizität dauerhaft beansprucht. Dies äußert sich im schnelleren "Besoffensein" mit allen bekannten Facetten ebenso wie in der Verstärkung
von schon vorhandenen MS-Symptomen (Koordinationsstörungen, Gangstörung, Fatique...). Dererlei Symptome bilden sich zurück und gehen
grundsätzlich nur von einer Irritation des Immunsystems aus, wenn der Alkoholkonsum über der individuellen körperlichen Belastbarkeit betrieben wurde.
Alkohol selbst ist bisweilen nicht für Negativverläufe verantwortlich zu machen. Allerdings muss deutlich darauf hingewiesen werden, dass ein
schwererer Entzug nach Konsumentgleisung durchaus einen akuten Schub der MS zur Folge haben kann, wenn Sie sich nicht in einer stabilisierten
Krankheitsphase befinden.
Es gibt für chronisch Erkrankte einige Verhaltensregeln zu beachten, die leicht umzusetzen sind und die Sie im Hinterkopf behalten
sollten, um sich die Freude am Alkohol zu erhalten und um sich selbst nicht zu gefährden:
Trinkverhalten
•
Täglich oder eben mal am Abend:
überschreiten Sie die Grenzwerte
nicht
•
Verbringen Sie mind. 2 Tage in der
Woche alkoholfrei
Party und Feierlichkeiten: gerade bei schönen Feierlichkeiten mit ausgelassener Stimmung steigt meist der Alkoholkonsum. Sie
können sich auch einmal fallen lassen, das braucht die Seele, aber...
•
...Vermeiden Sie Vollräusche! Ein Vollrausch geht einher mit dem Untergang von Millionen Gehirnzellen. Gerade bei MS ist das
ZNS nun wirklich schon genug angegriffen. Vielleicht brauchen Sie die eine oder andere Nervenzelle ja noch?
•
Wenn es anfängt zu "drehen", schieben Sie ein bis zwei Glas Wasser dazwischen und überbrücken Sie wenigstens eine halbe
bis eine Stunde vor dem nächsten Glas Alkohol.
•
Kein “Binge”-Trinken! Das schnelle Trinken größerer Alkoholmengen mit dem bewußten Ziel der Rauscherfahrung ist für den
gesunden Körper schon eine katastrophale Bewältigungssituation. Neben der “Akuten Intoxikation” kann der Entzug der hohen
Blutalkoholkonzentration bei der MS schwere körperliche Symptomatik und auch je nach körperlicher Verfassung einen Schub
zur Folge haben.
•
Ob und was Sie vorher essen, die zugeführte Alkoholmenge
bleibt diesselbe, auch wenn seine Aufnahme nun kürzer (bei
zuckerhaltigen Speisen) oder länger (bei stärker fetthaltigen
Speisen) dauert. Aber eine langsamere Aufnahme ist
körperfreundlicher, bevorzugen Sie Mahlzeiten zum Alkohol.
•
Halten Sie sich an minderstarke Getränke, wie Wein, besser Weinschorle, Bier, Sekt... Verzichten Sie auf Sprirituosen und
Alco-Pops, deren Ausmaß an Alkoholwirkung schwer abzuschätzen ist. Gerade zuckerhaltige Getränke wie Liköre (auch
alkoholfreie Bei- und Mischgetränke) beschleunigen die Aufnahme und das endet meist nicht gut. Auch wenn Alkohol gleich
Alkohol ist, trinken Sie sich nicht durch das ganze Angebot und bleiben bevorzugt bei ein bis zwei Sorten!
•
Entgegen dem allgemeinen Glauben wirkt erst die Alkoholelimination aus dem Körper negativ auf die MS. Wenn Sie Ihren
Konsum übertrieben haben, kann der "Kater" bei MSlern verheerend sein. Dieser fällt mit der MS meist schwerer aus als vor der
Erkrankung und Sie brauchen eine deutlich längere Regenerationszeit. Dieser Prozess kann Sie wortwörtlich 2-3 Tage “auf die
Bretter” schicken. Verschlechterte Symptome (v.a. Schwindel, Schwanken, Gleichgewicht) bilden sich in der Regel normal
zurück. Aber diese vom Körper benötigte Schonzeit sollte in Ihre Planung aufgenommen werden, um sich nach der Feier
Ruhe zu gönnen und den Körper nicht mit neuen Aufgaben zu quälen. Die MS will wieder friedlich gestimmt werden.
•
Wenn Sie am nächsten Tag einen schwereren "Kater" womöglich noch mit zunehmenden MS-Symptomen haben, sitzen Sie
ihn nicht aus! In diesem Fall dürfen Sie zu lindernden Medikamenten greifen. Der Grund hierin liegt in der Risiko-Nutzen-
Abwägung: für das Krankheitsbild ist es schlimmer, den Körper dieser erheblichen Streßsituation zu überlassen als ein
linderndes Medikament einzunehmen. Den Körper schonen wo es geht bleibt auch hier die Devise. Dämmen Sie das Risiko ein,
dass bzgl. der MS etwas “nachkommt”. Wie gesagt, der Entzug macht den Schaden! Beachten Sie jedoch, dass Sie möglichst
keinen Restalkohol mehr im Blut haben sollten.
•
Wenn Sie Alkohol trinken möchten, warum tun Sie sich nicht gleich noch etwas Gutes? TRINKEN SIE ROTWEIN !!!
v.a. tiefdunkelroten Rotwein, der eine “blaue Zunge” hinterläßt. Ursache hierfür sind enthaltene Cyanoflavonoide,
die durch Ihre antioxidative Wirkung gesundheitsfördernd sind. Sie schützen vor freien Radikalen und beugen damit der
Krebsentstehung vor und senken zudem den LDL-Cholesterinspiegel. Rotwein wirkt positiv im Magen-Darm Bereich zur
besseren Verdauung und im Herz-Kreislaufsystem (senkt den Blutdruck durch Gefäßerweiterung, fördert die Durchblutung,
hemmt die Blutgerinnung und schützt vor Thrombose) und erhöht den Östrogenspiegel und senkt damit das Osteoporose-
Risiko.
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